14. November 2022, von Dominique Schroller

Erste Hilfe im Stall

Wie Reiter und Pferdebesitzer einen Notfall richtig einschätzen und was sie tun können, bis der Tierarzt eintrifft, damit beschäftigen wir uns in der neuen Equitana-Sprechstunde. 

© Equitana
Bei Verletzungen am Huf kann der Besitzer einen Verband anlegen, der polstert und schützt. 

Offene Wunden, schwere Verletzungen, Kolik oder Schlundverstopfung können für das Pferd lebensbedrohlich sein. In diesen Fällen ist beherztes Handeln gefragt, bis der Tierarzt auf den Hof fährt oder das Tier in der Klinik eintrifft.  Für Reiter oder Besitzer ist es jedoch nicht immer ganz leicht, die Situation richtig einzuschätzen und entsprechend zu reagieren. Wie sie einen Notfall erkennen und was dann zu tun ist, hat uns Tierärztin Kristin Kippel von der Pferdeklinik in Duisburg erklärt. 

Notfall erkennen

Generell bedeutet ein Notfall akute Lebensgefahr für das betroffene Pferd. Alarmierende Anzeichen sind beispielsweise Atemnot, Unruhe, starkes Schwitzen, Wälzen, heftig blutende Wunden, starke Lahmheiten, heftiger und anhaltender Husten, starker Nasenausfluss und allgemein ein Verhalten, das deutlich vom Normalzustand abweicht.  

Richtig reagieren

Der Reiter oder Pferdebesitzer sollte vor allem Ruhe bewahren und auf seine eigene Sicherheit achten. Entscheidend ist, sofort den Tierarzt zu informieren oder in der nächstgelegenen Klinik anzurufen. Das Pferd ist grundsätzlich transportfähig, wenn es steht und alle vier Gliedmaße belasten kann. Sofern es ein Bein gar nicht belasten kann, sollte vor dem Verladen ein Tierarzt schauen, ob möglicherweise eine schwerwiegende Verletzung wie eine schwere Sehnenverletzung oder ein Bruch vorliegt. Anschließend ist zu klären, ob jemand das Pferd in die Klinik fahren kann oder möglicherweise ein Transportunternehmen in Frage kommt. Um die Zeit bis zu einer professionellen Behandlung sinnvoll zu nutzen, ist es ratsam, den Tierarzt bereits am Telefon nach den nächsten Schritten zu fragen und seine Anweisungen zu befolgen.

© Equitana
Ein Druckverband hilft, die Blutung zu stillen. 

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Bei einer Kolik sollte der Besitzer das Pferd in Bewegung halten. 

Offene Wunden

Wenn das Pferd beispielsweise mit einer Verletzung von der Wiese kommt, ist es wichtig, zunächst einzuschätzen, wie tief die Wunde ist und wie stark die Blutung ist. Ein Druckverband, zum Beispiel mit Materialien aus dem Verbandskasten im Auto polstert ein wenig und sorgt dafür, den Blutverlust zu stoppen. Steckt ein Fremdkörper in der Wunde, sollte er dort bleiben, bis der Tierarzt eintrifft, damit er sich ein genaues Bild vom Material und der Eintrittsrichtung machen und Rückschlüsse ziehen kann, ob möglicherweise Gefäße verletzt sind. Wenn sich das Ausmaß der Verletzung schwer abschätzen lässt, sollte der Besitzer eine Eigenbehandlung mit Desinfektionsspray oder Salbe unbedingt vermeiden. Stark verschmutzte Verletzungen sollte er maximal mit sauberem Wasser grob reinigen. 

Hufverband

Bei Verletzungen am Huf, kann es sinnvoll sein, einen Hufverband anzulegen, bis der Tierarzt eintrifft. Wer kein Verbandsmaterial zur Hand hat, kann auch eine Bandagierunterlage oder ein Handtuch zum Abdecken und als Polsterung verwenden. Darüber lässt sich in achter Touren eine (elastische) Bandage wickeln und darüber kommt Panzertape oder Klebeband, um Feuchtigkeit und Schmutz fern zu halten. 

Kolik

Futter und Wasser sollte der Besitzer dem Pferd bei Koliksymptomen als erstes entziehen. Dann kann er es im Schritt führen - am besten mit einer Longe auf weichem Boden falls das Pferd sich hinlegen oder wälzen möchte, um die Verletzungsgefahr zu minimieren. Bei kühlen Temperaturen ist es sinnvoll das Tier mit einer Abschwitzdecke zu schützen, wenn es stark schwitzt.

Schlundverstopfung

Auch bei einer Schlundverstopfung sollte der Reiter oder Besitzer zunächst dafür sorgen, dass das Pferd kein weiteres Futter oder Wasser mehr aufnimmt. Das Maul mit Wasser auszuspülen oder die Speiseröhre zu massieren, ist dagegen nicht ratsam. Je nachdem, was das Pferd geschluckt hat, kann das zu weiteren Reizungen oder Verletzungen führen. Da die Tiere in der Regel stark husten und Futter auch aus der Nase läuft, empfiehlt es sich, den Kopf möglichst tief zu halten. Entscheidend ist darüber hinaus Ruhe. Wenn der Stress nachlässt, kann sich die Verstopfung in manchen Fällen auch von alleine lösen. Trotzdem sollte unbedingt ein Tierarzt das Pferd anschauen, da die Gefahr einer Lungenentzündung besteht, wenn Futterreste dorthin gelangt sind. 

Starker Husten mit Atemnot

Wenn die Pferde einen Hustenkrampf bekommen und Atemnot haben, ist das auf jeden Fall eine Notsituation. Die Tiere haben dann in der Regel geblähte Nüstern und eine Dampfrinne im Bereich der Bauchmuskulatur, da sie die zum Atmen nutzen (Bauchpresse). Das Pferd beruhigen und warm halten, wenn es stark schwitzt und auf den Tierarzt warten. 

Die Stallapotheke

Das gehört unbedingt in die Stallapotheke: 

Thermometer

Verbandsmaterial

Desinfektionsmittel für kleinere Verletzungen

Salbe für oberflächliche Wunden

Noch mehr Wissenswertes zum Thema Erste Hilfe seht Ihr in der neuen Folge der Equitana-Sprechstunde