14. Dezember 2021, von Dominique Schroller

Lahmheiten: So gelingt die Suche nach der Ursache

Wenn das Pferd nicht rund läuft, beginnt für den Reiter die Spurensuche. Wie er dabei am besten vorgeht, zeigt die neue Folge unserer Sprechstunde. 

© Equitana
Die tierärztliche Diagnostik beginnt mit der klinischen Untersuchung. 

Vorne oder hinten – das ist häufig eine der ersten Fragen, sobald das Pferd Anzeichen einer Lahmheit zeigt. In manchen Fällen ist sie ganz einfach zu beantworten, in anderen ist eine genauere Untersuchung nötig. Wie der Besitzer richtig vorgeht, wann der Tierarzt hinzukommen sollte und was dann passiert, erläutert Dr. Bianca Rudorfer von der Pferdeklinik Leichlingen. 

Zeichen richtig deuten

  • Das Pferd fällt immer auf die gesunde Gliedmaße, um die schmerzhafte zu entlasten.
  • Lahmheiten auf der Vorhand sind durch das klassische Kopfnicken für den Besitzer leichter erkennbar.
  • Um eindeutig zu klären, auf welchem Fuß das Pferd lahmt, steht am Beginn der tierärztlichen Diagnostik stets die klinische Untersuchung.
  • Bei einer leichten Lahmheit im Trab ist es vertretbar, ein paar Tage abzuwarten, bevor der Tierarzt sich ein Bild macht.
  • Bei einer deutlich erkennbaren Lahmheit im Schritt handelt es sich in der Regel um einen Notfall. Dann sollte der Tierarzt unverzüglich hinzugezogen werden.

Tierärztliche Untersuchung

  • Aufnahme: Allgemeine Informationen zum Alter, zur Rasse, zur Nutzung des Pferdes, regelmäßen Medikamenten und zum aktuellen Problem.
  • Klinische Untersuchung: Startet mit der Lahmheitsuntersuchung, die ein Vorführen des Pferdes im Schritt und Trab auf unterschiedlichen Untergründen, auf gerader und gebogener Linie umfasst.
  • Beugeprobe: Provokationsprobe, die dabei hilft, das Problem genauer zu lokalisieren.

Weitere Diagnostik

  • Leitungsanästhesie: Wenn sich eine Lahmheit an einer Gliedmaße abzeichnet, der Ursprung aber nicht klar erkennbar ist, betäubt der Tierarzt das Bein schrittweise von unten nach oben, um den Schmerzpunkt genauer zu definieren.
  • Röntgen: die Aufnahmen machen die knöchernen Strukturen sichtbar und geben beispielsweise Aufschluss über Fissuren oder Brüche, Absplitterungen (Chips) oder Verschleißerkrankungen wie Arthrose.
  • Ultraschall: dieses Verfahren zeigt Veränderungen an Gewebestrukturen sowie an Sehnen, Bändern und Gelenken.
  • Magnetresonanz-Tomographie: bildgebendes Verfahren, das eine Körperregion in zahlreichen Schichten aufzeichnet. Ein MRT eignet sich beispielsweise, um Probleme in schwer zugänglichen Regionen wie der tiefen Beugesehne aufzudecken.
  • Computer-Tomographie: Diese Technik arbeitet ebenfalls mit Röntgenstrahlen, die allerdings ein horizontales Schnittbild des untersuchten Bereichs wiedergeben. Die Bilder ermöglichen, Knochen und Weichteilgewebe sehr genau darzustellen und voneinander zu unterscheiden. Das Verfahren ist deutlich genauer als ein Röntgenbild und kann kleinste Veränderungen im Körper sichtbar machen.
  • Szintigraphie: Diese Methode kommt zum Einsatz, wenn sich die Ursache einer Lahmheit weder durch klinische Untersuchungen noch durch die Leitungsanästhesie einkreisen lässt. Dabei bekommt das Pferd ein radioaktives Kontrastmittel gespritzt, das vermehrte Stoffwechselaktivitäten im gesamten Körper sichtbar macht und Rückschlüsse auf Entzündungsprozesse zulässt.

Behandlung:

  • Gespräch: Im Anschluss an die Diagnostik erfolgt ein Gespräch mit dem Pferdebesitzer über die entsprechenden Befunde der Untersuchungen und das weitere Vorgehen.
  • Therapie: Den Untersuchungsergebnissen und der Erkrankung entsprechend erfolgt anschließend die Therapie durch den Tierarzt (medikamentös oder operativ), die der Besitzer anschließend eigenständig mit Hilfe des Therapie-, Fütterungs- und Trainingsplans fortführt.

Noch mehr Informationen zum Thema Lahmheiten gibt es in der neuen Folge der Equitana-Sprechstunde

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