15. November 2021, von Dominique Schroller

Sieben Tipps bei Rückenproblemen

Was Pferdebesitzer über die wichtigsten Erkrankungen und die Gesunderhaltung von Muskulatur und Wirbelsäule wissen sollten. 

© Equitana

Ein entsprechendes Training, zum Beispiel über Stangen, kann dazu beitragen, den Rücken zu stärken.

Wenn der Pferderücken schmerzt, kann das viele Ursachen haben. Welche das sind und was dagegen zu tun ist, erläutert uns Tierarzt Marcel Bühner von der Pferdeklinik Leichlingen. 

Die typischen Symptome

Das reicht von einem klammen Gangbild bis zum Blockieren und zur Widersetzlichkeit des Pferdes, die gar nicht zum Charakter des Pferdes passen. Wenn das Pferd lahmt, kann auch eine Schonhaltung zu entsprechenden Problemen führen. Daher ist es zunächst wichtig, primäre und sekundäre Ursachen zu unterscheiden. 

Die häufigsten Probleme

Sie sind in sehr vielen Fällen muskulärer Art. Die Bandbreite reicht von Verspannungen bis hin zu einem Abbau der Muskulatur. Ursachen dafür können auch in den knöchernen Strukturen liegen, beispielsweise bei Kissing Spines oder Arthrosen im Bereich der Wirbelkörper. 

Der Rücken

Der Pferderücken ist ein komplexes Gebilde aus Knochenstrukturen, Bändern, Sehnen, Gelenken und Muskeln. Die 18 Wirbel der Brustwirbelsäule bilden im Wesentlichen den Bereich, auf dem der Sattel liegt und der Reiter sitzt. Kleine Gelenke verbinden die Wirbelkörper miteinander und ermöglichen es dem Pferd seitliche sowie Auf- und Abbewebungen. Das ist ein entscheidender Unterschied zu den sieben Wirbeln im Lendenbereich, die deutlich enger verbunden und weniger flexibel sind. Sie sind mehr für die Kraftübertragung aus der Hinterhand zuständig. Die Wirbelsäule ähnelt einer Brückenkonstruktion. Stabil und belastbar macht sie erst eine gut ausgebildete und trainierte Muskulatur. 

Die richtige Reaktion

Sattler, Chiropraktiker, Osteopathen und Tierärzte sollten bei der Suche nach den Ursachen und der entsprechenden Behandlung möglichst eng zusammen arbeiten. Sinnvoll ist in den meisten Fällen, zunächst einen Tierarzt hinzuzuziehen, weil er aufgrund seiner breiten Ausbildung ganz gut einschätzen kann, ob sich die Probleme eher schulmedizinisch, osteopathisch, chiropraktisch oder in einer Kombination verschiedener Therapieansätze lösen lassen. 

Die genaue Untersuchung

Der Tierarzt schaut sich zunächst an, wie das Pferd bemuskelt ist und wie es sich an der Hand und unter dem Sattel bewegt. Dabei gewinnt er auch einen Eindruck von der Lage des Sattels und der Aktivität der Rückenmuskulatur. Röntgenbilder von Wirbelkörpern und Dornfortsätzen geben Aufschluss über anatomische Veränderungen des Skeletts, wie beispielsweise Arthrosen oder Kissing Spines.

Die verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten

Je nach Befund gibt es die Möglichkeit, mit Medikamenten oder Injektionen in die Rückenmuskulatur oder zwischen die Wirbelköper Entzündungen zu lindern und Verspannungen zu lösen. Entscheidend ist anschließend ein Trainingsplan, um die Muskulatur schrittweise wieder aufzubauen. Auch dabei ist die gute Zusammenarbeit zwischen Tierarzt, Sattler, Chiropraktiker und Osteopath ein wichtiger Faktor für den Therapieerfolg. 

Das korrekte Training

Gerade Pferde mit Veränderungen an den knöchernen Strukturen benötigen ein besonderes Management. Das Training sollte ganz gezielt auf die Schwachstellen ausgerichtet sein. Mit Stangenarbeit, Aquatraining und gezieltem Muskelaufbau unter dem Sattel durch einen erfahrenen Reiter lässt sich in diesen Fällen eine Menge bewirken. Tierarzt, Chiropraktiker oder Osteopath sollten das Aufbautraining in regelmäßigen Abständen begleiten.

Weitere unterstützende Maßnahmen

Futterzusätze, Akupunktur, Bemer- oder Magnetfelddecken können im Einzelfall eine Unterstützung sein. Da die Wirkung sehr individuell ist, sollte der Besitzer in Absprache mit dem Tierarzt entscheiden, welche Maßnahme sinnvoll ist. 

Den Rücken gesund erhalten

Das Wichtigste ist ein gutes Training, das die Muskulatur locker und geschmeidig hält. Entscheidend ist dabei, genügend Zeit für die Aufwärmphase einzuplanen, um die gute Durchblutung der Muskulatur zu fördern. Wenn sich Probleme beispielsweise durch ein klammes Gangbild andeuten, frühzeitig einen erfahrenen Trainer oder Tierarzt draufschauen lassen.

Noch mehr Wissenswertes über das Kreuz mit dem Rücken erfahrt Ihr in einer neuen Folge unserer Sprechstunde