13. Mai 2022, von Dominique Schroller

Lunge und Magen: Reise in das Innere des Pferdes

Auf der Suche nach den Ursachen für einen hartnäckigen Husten oder wiederkehrende Koliken muss der Tierarzt den Organen zuweilen einen Besuch abstatten. In der neuen Folge der Equitana Sprechstunde haben wir ihn dabei begleitet. 

© Equitana
Vor der Untersuchung bekommt das Pferd eine Sedierung. 

Die verschiedenen Diagnoseverfahren der inneren Medizin bieten die Möglichkeit, bei entsprechenden Krankheitssymptomen, den Ursachen auf den Grund zu gehen. Eine winzige Kamera liefert genaue Bilder aus der Welt der Organe. Welche Rückschlüsse sie zulassen, wann eine Bronchoskopie oder Magenspiegelung überhaupt nötig ist und wie sie abläuft, erläutert uns Nathalie Butz. Sie ist als Internist an der Pferdeklinik in Leichlingen tätig und nimmt uns mit ins Innere des Pferdekörpers. 

Die Bronchoskopie

Diese Methode ermöglicht einen Einblick in die Lunge und die Bronchien. Gleichzeitig bietet sie dem Tierarzt die Chance, Proben zu entnehmen und im Labor analysieren zu lassen. 

Die Symptome

Die meisten Pferde, die zu einer Bronchoskopie kommen, haben bereits längerfristig einen hartnäckigen Husten, bei dem erste Therapieansätze nicht erfolgreich waren. Es kann aber auch eine akute Erkrankung dahinter stecken, zu der der Besitzer sich Klarheit erhofft. Eine weitere häufige Symptomatik ist Nasenausfluss mit ungeklärter Ursache. Nach einer Schlundverstopfung, bei der ein Verdacht besteht, dass Futterpartikel in die Lunge gelangt sein könnten, kann die Bronchoskopie ebenfalls Aufschluss geben. 

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Das Pferd bekommt eine Sedierung, um den Stress zu minimieren. 

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Der Blick in die Lunge. 

Die Vorbereitungen

Der Besitzer braucht für diese Untersuchung keine besonderen Vorkehrungen zu treffen. Er sollte lediglich über die Symptome und die Vorgeschichte der Erkrankung Auskunft geben. Nach der gründlichen klinischen Untersuchung erhält das Pferd eine Sedierung, um den Stress für das Tier möglichst gering zu halten.  

 

 

 

Der Ablauf

Zu Beginn bekommt das Pferd eine leichte örtliche Betäubung in die Nüster verabreicht, um ihm die Untersuchung etwas angenehmer zu machen. Eine Nasenbremse soll ruckartige Bewegungen vermeiden helfen. Über die Nüster gelangt das Endoskop an einem langen Schlauch über den Rachen, den Kehlkopf und die Luftröhre in die Lunge. Bei Bedarf hat der Tierarzt die Möglichkeit, während der Untersuchung Proben, beispielsweise von einem Sekret zu entnehmen und im Labor analysieren zu lassen. 

Die Therapieansätze

Bei einer ernsthaften Erkrankung ist beispielsweise die Sekretansammlung in der Bronchoskopie gut erkennbar. Neben Medikamenten, die den Schleim lösen und die Atmung verbessern, lässt sich anhand der Laborergebnisse ganz gezielt gegen die jeweiligen Erreger vorgehen und darüber ein langfristiger Behandlungserfolg erzielen. 

 

 

Die Magenspiegelung

Diese Untersuchung gibt Einblicke in den Magen und Aufschluss über die Beschaffenheit der Schleimhaut oder mögliche Geschwüre. 

Die Symptome

Besonders häufige Indizien sind wiederkehrende Koliken und deutlicher Gewichtsverlust beim Pferd. Regelmäßiges Zähneknirschen oder Liegen nach dem Fressen, genereller Leistungsabbau, stumpfes Fell oder Aggressivität können weitere Anhaltspunkte für Magenprobleme sein. 

Die Vorbereitungen

Für die Untersuchung muss der Magen leer sein, um ihn auch korrekt beurteilen zu können. In der Nacht vorher muss das Pferd daher fasten. Wasser trinken darf es noch bis wenige Stunden vor der Untersuchung. Nach einer ausführlichen klinischen Beurteilung erhält es eine Sedierung, um auch hier Stressfaktoren zu minimieren. 

 

 

 

Der Ablauf

Das Gastroskop gelangt über die Nüster, durch den Rachenraum und die Speiseröhre bis in den Magen. Die Kamera liefert Bilder direkt aus dem Magen und gibt Aufschluss über die Zahl und die Größe von Geschwüren und krankhafte Veränderungen der Schleimhaut. Die unterteilt sich in zwei Typen: Die blassrosa gefärbte drüsenlose Schleimhaut und die dunkelrot erscheinende drüsenhaltige Schleimhaut. Sie produziert die Magensäure. Wenn dieser hochätzende Saft im Übermaß produziert beziehungsweise nicht ausreichend durch Speichel gepuffert wird, greift er die eigene Schleimhaut an und fördert die Bildung von Geschwüren. Auch Rötungen am Magenausgang geben Hinweise auf ein entzündliches Geschehen. 

 

 

© Equitana
Vor der Magenspiegelung muss das Pferd fasten. 

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Geschwüre auf dem drüsenlosen Teil der Magenschleimhaut. 

Die Therapieansätze

Sofern die Spiegelung Hinweise auf Magengeschwüre ergeben hat, bekommt das Pferd Medikamente. Der Wirkstoff Omeprazol dämpft die Neubildung von Magensäure und trägt dazu bei, dass das entzündliche Geschehen im Magen zur Ruhe kommt. Bei Problemen am Magenausgang kann Sucalfat hilfreich sein. Das Medikament legt sich wie ein schützender Film um die Schleimhaut und unterstützt den Heilungsprozess. Zusätzlich bekommt der Besitzer eine Haltungs- und Fütterungsempfehlung, die eine Genesung weiter fördert. Während des Heilungsprozesses sollte das Pferd viel Weidegang und möglichst kein Training, sondern maximal lockere Bewegung bekommen. 

 

 

Mehr zu den Diganoseverfahren der Inneren Medizin, seht Ihr in der neuen Folge der Equitana-Sprechstunde