10. Juni 2022, von Dominique Schroller

Wann es wichtig ist, dem Gaul ins Maul zu schauen

In der neuen Equitana-Sprechstunde erklären wir, was genau EOTRH ist, welche Pferde besonders betroffen sind und wie sich die Krankheit behandeln lässt. 

© Equitana
Dieses Pferd hat ein kerngesundes Gebiss. Doch mit zunehmendem Alter kann es zur Problemzone werden. 

EOTRH - die Abkürzung klingt kompliziert und wie ein Geheimcode aus grauer Vorzeit. Dahinter steckt die Equine Odontoclastic Tooth Resorption and Hypercementosis. Dieser mindestens ebenso kryptische Name beschreibt eine schmerzhafte Entzündung des Zahnfleischs im Bereich der Schneidezähne. Das ist jedoch nicht das einzige Symptom - daher auch der lange Name. Noch entscheidender ist, was gleichzeitig im Inneren des Kiefers abläuft. Dort lösen körpereigene Zellen  die Zähne an ihrer Wurzel langsam auf, während der Organismus gleichzeitig versucht, den Schaden zu reparieren. Als Reaktion baut er im Bereich des Zahnhalses übermäßigen Zahnzement auf, der zu knolligen Verdickungen führt. 

Ursachen

Die Ursachen sind noch weitgehend ungeklärt. Tiermediziner gehen aktuell davon aus, dass der Prozess im Zahnhalteapparat beginnt  - möglicherweise durch einen vermehrten Kaudruck besonders bei älteren Pferden. Die genauen Auslöser des zerstörerischen Prozesses sind jedoch bisher noch nicht hinreichend erforscht. 

Patienten

Betroffen sind vor allem ältere Pferde ab dem 15. Lebensjahr. Die meisten Tiere sind zwischen 18 und 21 Jahre alt. Die Erkrankung ist rasseunabhängig und tritt sowohl bei Ponys als auch bei Großpferden auf. 

Die Zähne

Im Maul eines erwachsenen Pferdes finden sich zwischen 36 und 44 Zähne. Zur Standardausstattung zählen zwölf Schneidezähne und 24 Backenzähne. Vier Hengstzähne und vie Wolfszähne können noch dazu kommen. Im zahnfreien Zwischenraum von Schneide- und Backenzähnen liegt in der Regel das Gebiss. 

Als Dauerfresser beanspruchen die Pferde ihre Zähne auch entsprechend. Der Abrieb beträgt pro Jahr etwa zwei bis vier Zentimeter. Diesen Verlsut gleicht der Körper selbst aus und schiebt entsprechend viel Zahnschmelz nach. Der vermehrt sich jedoch im Laufe der Jahre nicht, sondern die Wurzel verkürzt sich entsprechend. 

© Equitana
Eine genaue Untersuchung des Zahnfleischs kann erste Hinweise liefern. 

© Equitana
Auf dem Röntgenbild sind die knollenartigen Verdickungen sehr gut erkennbar. 

Symptome

Erste Anhaltspunkte sind Gewichtsverlust und ein bewusstes Absondern von der Herde aufgrund der Schmerzen. Vermehrte Zahnsteinbildung und Probleme, bei Möhren oder Äpfeln kraftvoll zuzubeißen, können weitere Hinweise auf EOTRH sein. Der Besitzer sollte sich dann das Zahnfleisch einmal genauer ansehen und dort gezielt nach weiteren Symptomen suchen. Verdickungen, Rötungen und Pünktchenbildung sind dort die entscheidenden Indizien. 

 

 

 

 

 

 

Diagnose

Wenn der Besitzer erste Anzeichen festgestellt hat, empfiehlt sich eine regelmäßige Kontrolle der Zähne. Eindeutigen Aufschluss über eine mögliche Erkrankungen liefern Röntgenaufnahmen. Dort ist die Knollenbildung im Bereich des Zahnhalses in der Regel gut sichtbar.  

Therapieansätze

Wenn die Erkrankung in einem frühen Stadium erkannt wird, hat der Tierarzt die Möglichkeit, die Schneidezähne zu kürzen, um den Druck beim Kauen zu verringern. Darüber hinaus hilft regelmäßiges Zähneputzen dabei, die Entzündungsprozesse einzudämmen. Langfristig müssen nach und nach alle betroffenen Zähne gezogen werden. Wenn alle Schneidezähne gezogen sind, kommt die Erkrankung zum Erliegen. Die Pferde benötigen anschließend kein Spezialfutter und lernen beispielsweise Gras mit den Lippen zu rupfen. 

Heilungschancen

EOTRH ist zum jetzigen Zeitpunkt nicht heilbar. Das Fortschreiten der Erkrankung lässt sich zwar verzögern und verschiedene Maßnahmen können die Symptome lindern, doch stoppen lassen sich die zerstörerischen Prozesse innerhalb des Körpers nicht. 

© Equitana
Zähneputzen kann dabei helfen, die Entzündung etwas einzudämmen. 

 

Noch mehr Wissenwertes zu EOTRH zeigt unsere aktuelle Sprechstunde.